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Angedacht – zum Sonntag Kantate (4. Sonntag nach Ostern - 10.05.2020)

Kantate heißt dieser Sonntag. Kantate heißt „Singet!“ Der Name geht zurück auf Psalm 98: „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

Wer singt, lebt gesünder. Das ist längst wissenschaftlich erwiesen. Untersuchungen haben ergeben, dass Singen die Abwehrkräfte steigert. Ein schönes Beispiel dafür las ich kürzlich in einer Zeitschrift: Die Forscher untersuchten die Speichelproben der Mitglieder eines Kirchenchores. Ausschlaggebend war die Anzahl der Immunglobuline A. Sie befinden sich in den Schleimhäuten und bekämpfen Krankheitserreger. Tatsächlich war die Anzahl der Immunglobuline bei denen deutlich gestiegen, die das Requiem von Mozart sangen. Wenn die Sänger Mozarts Musik nur vom Band hörten, blieb die Anzahl der Antikörper unverändert. Auch Psychologen bestätigen, dass Singen sich positiv auf die Psyche auswirkt. Mehrere Studien zeigen: Schon nach 30 Minuten Singen produziert unser Gehirn erhöhte Anteile von Stimmung aufhellenden Hormonen wie Beta-Endorphine und Serotonin. Stresshormone wie Cortisol werden gleichzeitig abgebaut. In der Stimme spiegelt sich unsere seelische Verfassung wider. Es gibt für jede Gemütslage ein Lied: Ob wir uns freuen, dankbar sind oder trauern – Singen befreit und hebt die Stimmung. Und nun soll Singen nach gegenwärtigem Erkenntnisstand zu einer hohen Abgabe von Aerosolen führen und damit das Infektionsrisiko erhöhen. Deshalb bleibt das gemeinsame Singen zunächst bei Gottesdiensten verboten. Das kann ich mir persönlich noch gar nicht so richtig vorstellen, wie das gehen soll. Ist es doch gerade die Musik, der Gesang, der die geistlichen Worte in der menschlichen Seele zum Schwingen bringt. Dennoch: Singen tut gut – und: Singen ist hochgradig ansteckend! Manchmal bekommt man ein Lied nicht mehr aus dem Kopf, es ist einem zum sogenannten Ohrwurm geworden. So erging es vor ein paar Jahren einer Konfirmandengruppe. Das Lied „Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben“ – ein Kirchenlied unserer Zeit aus Brasilien hatte es ihnen angetan. Da steckt alles drin, so war die einstimmige Meinung der Gruppe. Eine schöne Möglichkeit, die eigene Lebensmelodie mit Gott in Verbindung zu bringen.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,
du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst,
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben
von Nähe, die heil macht – wir können dich finden,
du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben.
Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung,
du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ In der Osterzeit laden uns die Sonntage schon mit ihrem Namen ein zum neuen Leben. Christus ist auferstanden, und darum jubelt und betet. Und heute ruft uns der Sonntag zu: Kantate! Singet! Singt Gott aus vollem Herzen und aus voller Kehle, mit Leib und Seele. Singt ihm eure Lebensmelodie. Können wir da mit einstimmen?

Einen gesegneten Sonntag wünscht, Pastorin Sabine Bohlen.


 


 

 

 

Bild von Karen Arnold auf Pixabay

Predigt und Gebet vom 17. Mai 2020

Predigt für den Sonntag Rogate – 17. Mai 2020

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde!

Es gibt Situationen im Leben, da kann man nur noch hoffen und beten. Diesen Satz hörte ich erstmals ganz bewusst, als ich vor vielen Jahren mit einer ehemaligen Schulfreundin telefonierte. Wir hatten uns verabredet, gemeinsam zu einer Abiturjubiläumsfeier zu fahren. Sie war an einem Hirntumor erkrankt, den man nicht operieren konnte. Sie wusste, dass sie sterben würde – nur wann, das wusste niemand. Sie war so voller Hoffnung und Zuversicht, dass sie noch ein paar Jahre hätte. Und sie sagte, dass das Gebet ihr immer wieder ganz viel Kraft geben würde. Der Kontakt zu Gott sei ihr wichtig. Sie könne alles mit ihm besprechen. Und es sei, als gebe ihr Gott jedes Mal, wenn sie bete, von seiner Kraft.

Welche Erfahrungen machen wir, wenn wir beten? Wann beten wir und was? Sind es Dank und Lob, die wir vor Gott bringen, oder Klagen oder Bitten? Wie ist das mit der Erhörung der Gebete? Gibt es richtiges und falsches Beten?

Irgendwo habe ich gerade vor ein paar Tagen gelesen, dass viele Menschen das Gebet in dieser Zeit der Corona-Pandemie für sich wieder neu entdecken. In allen Religionen dieser Welt wird gebetet. Meistens geht es darum, dass Menschen etwas von Gott bekommen wollen. Das Gebet ist dann vor allem eine Bitte und Gott soll sie erfüllen. Etwas von Gott zu erbitten, ist zutiefst menschlich und biblisch gesehen völlig in Ordnung. Dazu werden wir geradezu ermutigt. In den Psalmen heißt es: „Schüttet euer Herz vor ihm aus“ (Psalm 62,9). Sagt ihm alles, was euch bedrückt. Und Petrus lädt dazu ein: „Alle eure Sorge werfet auf den Herrn!“ (1.Petrus 5,7).

In dem vorgeschlagenen Predigttext für den heutigen Sonntag aus dem 6. Kapitel des Matthäusevangeliums die Verse 5 bis 15 lädt Jesus selbst uns zum Beten ein mit den Worten des Vaterunsers. Er macht Mut. Er zeigt uns, wie man beten kann. Vielleicht auch allen eigenen Erfahrungen zum Trotz. Das Gebet Jesu führt uns in die Freiheit. Lassen Sie uns, lasst uns, zunächst auf ein kleines Wörtchen hören: So – sollt ihr beten, heißt es in dem Text. Und nicht: Das – sollt ihr beten. Schon die Überlieferung der Worte dieses Gebetes zeigt uns: das, was wir heute „Vater unser“ nennen, was in jedem christlichen Gottesdienst gebetet wird, ist keine Vorschrift, nach der wir verfahren sollen. Dieses Gebet ist kein Gesetzesparagraph für Glaubende. Dieses Gebet lädt uns ein zu beten. Mein ganz persönliches Gebet zu beten „im stillen Kämmerlein“. Mit anderen gemeinsam das vor Gott zu bringen, was uns bewegt. Wenn wir das Vaterunser an Kinder, an Konfirmandinnen und Konfirmanden weiter geben in Familie und Gemeinde, sind diese Worte nicht als Befehle zu verstehen. Sie sind Anleitung, um auch eigene Worte zu finden, vielleicht auch wortlose Gebete, Seufzer oder Gesten, die uns in eine Verbindung zu Gott bringen. Die Worte des Vaterunsers sind Worte, die uns davon befreien, im Gespräch mit Gott besonders „originell“ sein zu müssen. Worte, die davon leben, dass sie in mir auswendig sind und in jeder Situation meines Lebens eine neue Betonung und eine neue Bedeutung bekommen können. Denn sie enthalten eigentlich bereits alle je möglichen Bitten. So stellt das Vater unser keine Konkurrenz zum persönlichen Gebet dar, sondern eher eine Hilfe.

Ich möchte nun den einzelnen Sätzen dieses Gebetes nachgehen – angefüllt mit Ihren und Euren und mit meinen Erfahrungen, die dem Bitten eines jeden, einer jeden von uns Orientierung geben können.

Vater unser im Himmel – Vieles unterscheidet uns Menschen voneinander, manches trennt uns unüberbrückbar, aber das verblasst und wird überstrahlt von der Gewissheit: Gott ist unser Vater, unser gemeinsamer Schöpfer, Motor unseres Lebens, der uns verbindet und durchströmt. Jesus hat so vertraut mit Gott geredet, dass er ihn Abba genannt hat, auf Deutsch eigentlich: Papa! So vertrauensvoll dürfen auch wir mit Gott reden. Wir dürfen zu ihm kommen mit allem, was uns angeht, was uns belastet, was uns freut, was wir uns wünschen. Wir dürfen unsere Sache, unser Leben mit ihm besprechen, jeden Tag aufs Neue.

Geheiligt werde dein Name – „Das ist mir heilig“, sagen wir, wenn uns etwas ganz wichtig ist. Für manche ist es der Mittagsschlaf, für andere bestimmte Ordnungen oder Traditionen. Gottes Namen, und das heißt: Gott selbst halten wir heilig, wenn wir ihn allein den Herrn sein lassen über unser Leben. Nichts und niemand anderes soll Herr sein in unserem Leben und über uns bestimmen. Das Smartphone nicht und auch nicht das Geld, kein Politiker und kein anderer Mensch. Gott allein Herr sein zu lassen, das gibt uns Würde und Freiheit. Weil es uns frei macht von allen anderen Mächten. Der hebräische Name für Gott lautet „JAHWE“ und heißt übersetzt soviel wie: „Ich bin, der ich bin und ich bin für dich da.“

Dein Reich komme – Ich habe oft den Eindruck, dass sich heute zu viele mit den Gegebenheiten abfinden und gleichgültig in den Tag hinein leben. Dein Reich komme, diese Bitte macht deutlich, dass noch etwas aussteht. Mit Jesu Kommen in unsere Welt ist Gottes Reich zwar angebrochen, aber wir sind Gottes Reich fern, solange die einen reich und die anderen arm sind, solange Vergebung nicht möglich ist, solange es keine Gerechtigkeit gibt. Sich nicht mit dieser Welt zufrieden geben und auf Gottes Gerechtigkeit hoffen, das beinhaltet diese Bitte „Dein Reich komme.“

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. – Nicht mein, nicht unser Wille, sondern Gottes Wille möge an uns und durch uns geschehen. Wie viel haben wir uns schon als vermeintlichen Willen Gottes einreden lassen, haben nicht durchschaut, dass Habgier oder Menschengehorsam, Illusion und Feigheit uns diese oder jene Entscheidung nahe legten. Wie viele von Menschen errichtete Paradiese haben sich immer wieder für viele als die Hölle erwiesen. Dass Gottes Wille in dieser Welt zum Tragen kommt, darum beten wir.

Unser tägliches Brot gib uns heute. – Genug zu essen und zu trinken haben die meisten von uns und manchmal müssen wir sogar aufpassen, dass es nicht zu viel wird. Am Anfang der Corona-Pandemie hatten viele Menschen Angst, nicht genug Nahrungsmittel kaufen zu können, Hamsterkäufe wurden zur täglichen Schlagzeile. Vielen Menschen weltweit fehlt jedoch das Nötigste zum Leben, auch vor der Pandemie war das schon so. Wie schön wäre es, wenn wir endlich lernen würden, all das, was wir auf der Erde haben, gerecht zu verteilen, damit alle Menschen das bekommen, was sie zum Leben brauchen. Zum täglichen Brot gehört aber nicht nur Nahrung, sondern auch ein Dach über dem Kopf, Kleidung, Menschen, die es gut mit einem meinen, Freundinnen und Freunde. Vielen fehlt die Zuwendung anderer Menschen – gerade und vor allem jetzt in Zeiten der Pandemie.

Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. – Viele sagen, das sei die schwierigste Bitte im Vaterunser. Tatsächlich leben wir ja in einer Gesellschaft, die oft erbarmungslos ist. Ohne Gnade werden Fehler verfolgt, obwohl wir wissen könnten, dass keiner leben kann, ohne schuldig zu werden. So ist es im Großen wie im persönlichen Leben. Meist lässt sich nicht rückgängig machen, was wir einander antun. Wir sind darauf angewiesen, dass wir Vergebung erfahren und lernen, zu vergeben. Schuld in der Bibel meint auch immer Entfernung von Gott.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. - Versuchungen sind ja nichts Harmloses, als ginge es dabei nur um Schokolade. Was Menschen heute in Versuchung führt, ist vor allem die Macht des Geldes. Wenn Unternehmen die Natur hemmungslos ausbeuten und unnötiges Leiden von Tieren in Kauf nehmen, um die Gewinne zu vergrößern, hat das etwas mit Versuchung zu tun. Auch wir Verbraucher sind den unterschiedlichsten Versuchungen ausgesetzt. Schauen wir immer genau hin, welche Inhaltsstoffe unsere Lebensmittel enthalten und aus welchen Ländern die Kleidung kommt, die wir kaufen? Wir wissen auch, welche Macht das Böse haben kann. Rücksichtslose Menschen beispielsweise, die nur an sich selbst denken, sich in den Mittelpunkt stellen und alle anderen schlecht machen, stiften Unfrieden und zerstören jede Gemeinschaft. Neid Eifersucht und Missgunst führen immer wieder zu Mobbing, Hass und Gewalt - in Schulen, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft.

Ursprünglich waren es diese sieben Bitten, die das Vaterunser enthielt. Im Laufe der Überlieferung der Bergpredigt ist noch ein Abschluss hinzugefügt worden. Die ersten drei Bitten waren direkt auf Gott bezogen: dein Name, dein Reich, dein Wille. In den anderen vier Bitten geht es um unsere Welt: unser Brot, unsere Schuld, unsere Versuchungen, unser Böses. Mit dem Abschluss wird der Blick noch einmal auf Gott gelenkt, dem wir alles verdanken, der uns liebt und der uns tröstet und hilft, auch schwere Zeiten durchzustehen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit…Unser Leben wird reich, wenn wir uns auf Gott ausrichten. Das führt uns in die Freiheit und zum wirklichen Leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.


 

Gebet

Jesus Christus, du hast uns gelehrt, wie wir beten können. Darum kommen wir zu dir und beten dich an zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist und rufen: VATER UNSER IM HIMMEL.

 

Erschrocken sind wir darüber, wie oft dein Name missbraucht wird. Menschen führen in deinem Namen Kriege, üben Hass und Gewalt. Wir bitten dich, dass wir und alle Verantwortlichen lernen, in Wort und Tat dich zu ehren und zu fürchten. Darum beten wir: GEHEILIGT WERDE DEIN NAME.

 

Wir sehen Leid und Unfrieden in vielen Ländern der Erde, aber auch bei uns und in unserer Umgebung. Wir bitten um Frieden und Gerechtigkeit und beten: DEIN REICH KOMME.

 

Wir sehen, wie die ganze Schöpfung ächzt durch unsere Ausbeutung, wir sehen die Zerstörung der Regenwälder und die Gefährdung des Klimas. Wir bitten für deine ganze Schöpfung, Wasser, Erde und Luft, für die Pflanzen und Tiere und rufen zu dir: DEIN WILLE GESCHEHE, WIE IM HIMMEL, SO AUF ERDEN.

 

So vielen Menschen fehlt es am Nötigsten zum Leben, Essen und Trinken, ein Dach über dem Kopf und die Zuwendung von anderen Menschen. Für sie alle und auch für uns bitten wir dich: UNSER TÄGLICHES BROT GIB UNS HEUTE.

 

Immer wieder werden wir schuldig an dir und an unseren Mitmenschen. Manchmal gewollt, manchmal ohne Absicht verletzen wir uns. Wir bitten dich für uns alle, die wir schuldig werden, und die wir unbarmherzig sind im Umgang mit anderen: VERGIB UNS UNSERE SCHULD, WIE AUCH WIR VERGEBEN UNSEREN SCHULDIGERN.

 

Macht, Geld und Reichtum, das sind die Versuchungen, die uns und so viele dazu treiben, zu tun, was nicht gut ist. Wir bitten dich für die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, aber auch für jede und jeden von uns: FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG, SONDERN ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN.

 

All das, was uns sonst bewegt, bringen wir nun in der Stille vor dich. 

So vertrauen wir uns miteinander dir an und preisen dich:

DEIN IST DAS REICH UND DIE KRAFT UND DIE HERRLICHKEIT IN EWIGKEIT. AMEN.