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Angedacht – zum Sonntag Jubilate (3. Sonntag nach Ostern – 03.05.2020)

Der Osterjubel geht immer noch um die Welt. Heute, am Sonntag Jubilate, denken wir noch einmal besonders an die Freude über die Auferstehung und das neue Leben, das Gott für uns geschaffen hat. Es geht um die Frage, wie wir mit Gott in Verbindung bleiben können. Die erste Gruppe der diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden der Friedenskirchengemeinde Wiesmoor wäre heute konfirmiert worden. Auch bei der Konfirmation geht es um die Frage, ob die Jugendlichen weiterhin mit Gott in Verbindung bleiben, den Weg des Glaubens weitergehen möchten. Das, was ihnen in der Taufe zugesagt wurde „Du bist ein geliebtes Kind Gottes; Gott sagt JA zu dir.“, das findet in der Konfirmation die Bestätigung, im JA zu Gott. „Ja, ich möchte diesen Weg weitergehen, ja, ich verstehe mich als von Gott geliebtes Kind und möchte im Vertrauen auf Gottes Liebe und Begleitung meinen Lebensweg mutig weitergehen.“ Wie gut hätte dieser Sonntag zur Konfirmation gepasst. „Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!“ – so heißt es im Psalm 66, dem Psalm, der dem Sonntag seinen Namen gibt. Doch dann kam alles anders. Die drei Konfirmationen mussten wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Bitter für viele Familien, war doch alles schon organisiert, gekauft und vorbestellt. Vermutlich im September werden die Hauptkonfis dann ihr JA zu Gott sagen können, wenn Gottesdienste und Feiern, möglicherweise nur im kleinen Rahmen, wieder erlaubt sein werden. Jubilate! Jauchzet, lobsinget! Mit Gott in Verbindung bleiben, auch und gerade in schwierigen Zeiten – wie ist das möglich? Vor allem so ganz ohne Gottesdienste in unserer schönen Kirche? Mit Gott in Verbindung bleiben, das können wir, wenn wir Gott loben und ihm danken. Jubilate! Wenn wir trotz des Schweren und Angstmachenden das Schöne nicht aus dem Blick verlieren. Wir können Gott Loblieder singen oder ihn im Gebet für alles Schöne und Mutmachende danken. Gott hört auch unsere Bitten. So bleiben wir im Gesang und im Gebet mit Gott verbunden. Aber auch in der Gemeinschaft, wie es im vorgeschlagenen Predigttext für den heutigen Sonntag im 15. Kapitel des Johannesevangeliums heißt: „Jesus Christus spricht: ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Das Bild vom Weinstock und den Reben hat das Christentum über die Jahrhunderte begleitet. Auch wer nicht, wie wir, in einer Region lebt, in der Wein angebaut wird, kennt das Bild von dieser Pflanze und ihren Früchten. Und schätzt den Traubensaft oder den Wein. Für die Zeitgenossen von Jesus gehörte der Umgang mit den Weintrauben einfach dazu. Und es ist ja auch ein schönes Bild, wenn man vermitteln möchte, wie eine Verbindung zwischen vielen Einzelnen und dem Einen aussehen kann. Eben wie der Weinstock und die Reben – und ihre starke Verbindung untereinander. Eine weitere Deutung erfährt das Bild in Vers 1, in dem Jesus sagt: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.“ (Joh 15,1) Damit zeigt er, welch enge Beziehung zwischen ihm, seinem Vater und den Jüngern besteht. Das kann Menschen stärken: Das Bewusstsein, dass man nicht alleine ist, sondern in der Gemeinschaft mit vielen verbunden ist. Und dass die Verbindung zu Gott stark ist. Auch dann, wenn man es nicht merkt. Die Gemeinschaft stellt für viele eine Kraftquelle dar, die Gemeinschaft, die aufbaut und stärkt. Das bedeutet nicht, dass jederzeit Menschen um einen herum sein müssen. Aber es tut gut, zu wissen, dass Menschen aneinander denken und füreinander beten. Und wenn wir wieder zusammen Gottesdienst feiern können und wir dann noch im Gebet Jesus in unsere Mitte einladen, kann es gut sein, das etwas davon spürbar ist: Wir gehören zusammen wie die Weintrauben an einem Rebstock. Und das, was uns verbindet und was uns gemeinsam Kraft gibt, ist Jesus Christus. Seine Gegenwart verbindet uns. Das ist stark und stärkt uns auch für die kontaktlosen Zeiten. Hoffentlich ist das bald wieder in unserer Kirche und im Gemeindehaus möglich: mit anderen zu singen, zu beten und das Leben mit seinen Freuden und Lasten zu teilen.

Bis dahin bleiben wir im Gebet und durch Gottes Segen miteinander verbunden! In dem Refrain eines Segensliedes heißt es: „Und bis wir uns wiedersehen, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.“

Herzliche Grüße von Pastorin Sabine Bohlen.

 

Foto: Didgeman/ Thomas B. auf Pixabay

Angedacht zum 26. April 2020

Angedacht – zum Sonntag Miserikordias Domini (2. Sonntag nach Ostern – 26. April 2020)

 

Heute, am Sonntag der Barmherzigkeit des Herrn, was „Miserikordias Domini“ übersetzt heißt, steht das Bild des guten Hirten im Mittelpunkt. Die Worte des Wochenspruches lauten: „Christus spricht: ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Joh 10, 11a.27+28)

Wie behütet uns Gott? – so fragen wir heute. In einer Welt, die wahrhaftig an vielen Orten kein Bild von Geborgenheit abgibt. Da ist die Sehnsucht groß nach einem, der den richtigen Weg zeigt, der einen unbeschadet durch Gefahren führt, der den Durst nach Leben stillt, der einen sucht, wenn man das Gefühl hat, verloren zu gehen.

Jesus sagt von sich: ich bin der gute Hirte. Ich bin verlässlich. Ich bin präsent. Ich laufe nicht weg. Habt keine Angst. Er verdeutlicht mit seinem ganzen Leben, was mit Psalm 23, dem alten Vertrauenspsalm gemeint ist. Jesus stärkt das, was das Leben erhält und fördert, belebt und Schutz verspricht. Weglaufen, das ist keine Option. Bei ihm wird getröstet, die Angst genommen, ermutigt, gestärkt und belebt. Gleichzeitig warnt er vor schlechten Hirten, die nur an ihr eigenes Wohl denken, bei Gefahr davonlaufen und die Schwachen nicht stärken.

So wirkt Gott durch Jesus und auch durch uns, wenn wir dem Beispiel Jesu folgen. Hirtinnen und Hirten arbeiten überall. Die meisten von ihnen würden das, was sie tun, allerdings in andere Worte fassen. Sie sorgen, helfen, unterstützen, handeln, hoffen, beten, sprechen Mut zu, sind anderen Menschen liebevoll zugewandt. Eigene Ziele und Befindlichkeiten werden zugunsten der hilfsbedürftigen Menschen hintenangestellt. Sie leben von dem Geschenk der Gnade Gottes, welches ihnen das Gefühl gibt, dass das Leben behütet ist und auch in rauen Zeiten bestehen kann. Sie merken, dass sie immer wieder Kraft bekommen, auch die Sorgen und Nöte anderer Menschen mitzutragen und machen die Erfahrung, dass dies auch gelingt.

Wie behütet uns Gott? Manchmal durch Menschen, die in der Nachfolge Jesu leben und auf seine Verheißung vertrauen. So auch durch uns. Manchmal aber auch, ohne dass wir es direkt merken und es erst im Nachhinein für uns erkennen. Jesus sagt uns zu, dass er uns sogar das ewige Leben schenkt. Wir genießen also umfassenden Schutz und brauchen uns auch nicht zu fürchten, wenn es dunkel wird in uns und um uns herum. Er sorgt für uns. Ähnlich sieht es der Beter des 23. Psalmes, wenn er betet: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Vielen Menschen fällt es jedoch mitunter schwer, so wie der Psalmbeter Gott die Treue zu halten. Angesichts von Katastrophen, Bedrohungen, Unglück und Unheil stellt sich ihnen die Frage: Wo ist denn der gute Hirte? Manchmal sind es auch persönliche Nöte, Trauer oder schwere Krankheiten, die davon abhalten, diesem guten Hirten, ja Gott zu vertrauen. Die Frage nach dem „Warum“ bleibt und die Zweifel sind manchmal groß. Ratlos und ohne Erklärung können wir nur stumm bleiben, wenn wir nach Grund und Ursache all der schweren Leiden gefragt werden. Wir sehen und spüren nicht mehr die Hand, die uns hält. Können die Fürsorge des guten Hirten nicht mehr erkennen. Die ängstliche Frage treibt auch uns manchmal um: Wo warst du, als das Tal am dunkelsten, die Nacht am schwärzesten war und ich keinen Ausweg sah?

Vielleicht könnte das Gedicht „Spuren im Sand“ von Margret Fishback Powers uns dann Antwort geben: Ich träumte eines Nachts, ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn, und es entstand vor meinem Augen, Streiflichtern gleich, mein Leben. Nachdem das letzte Bild an meinen Augen vorbeigezogen war, sah ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Warum hast du mich allein gelassen als ich dich am meisten brauchte?“ Da antwortete er: „Geliebtes Kind, nie ließ ich dich allein, schon gar nicht in den Zeiten der Angst und Not. Wo du nur eine Spur im Sand gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

 

Ich wünsche Ihnen und Euch eine behütete Woche!

 

Es grüßt herzlich, Pastorin Sabine Bohlen

 

Angedacht...zum 19. April 2020

Angedacht – zum Sonntag Quasimodogeniti (1. Sonntag nach Ostern – 19. April 2020)

Diese ermutigenden biblischen Worte sind Teil des vorgeschlagenen Predigttextes für diesen Sonntag. Ich finde, sie passen zu unserer gegenwärtigen Situation. „Neue Kraft kriegen“ zum Durchhalten, zum Füreinanderdasein am Telefon oder persönlich (natürlich mit dem gebotenen Abstand), zum Nichtverzweifeln bei drohenden Existenznöten, zum Gesundwerden, zum Weitergehen auf dem Weg der Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen – ja neue Kraft zum Leben. Das brauchen wir alle täglich.

Aber Kraft zu haben, das ist nicht selbstverständlich. Wie schön ist es, morgens voller Tatendrang aufzuwachen. Aufzuwachen nach einer Nacht mit gutem Schlaf. Fröhlich aufzustehen – da mag der Tag gerne kommen. Doch manchmal ist es anders. Da ist es, als wachte ich mit gebrochenen Flügeln auf. Kraftlos schon am Morgen. Mit Schmerzen. Voller Sorgen, wie der Tag nur werden mag. Voller Sorgen auch, wie sich das alles weiter entwickeln wird in dieser Zeit der Corona-Pandemie. Ängste, Befürchtungen und Sorgen können lähmen und Kraft rauben.

Die Israeliten, denen diese Worte ursprünglich galten, waren im Exil im fernen Babylon. Sie waren gestrauchelt und gefallen, was ihnen heilig war, war verloren. Nichts mehr war wie vorher. Und so können wir uns gerade auch wie im Exil fühlen: alles, was unseren Alltag einst ausmachte und bestimmte, das gibt es nicht mehr. Eine vorsichtige Rückkehr zu einer neuen „Normalität“ wird in den kommenden Wochen erprobt. Die Worte des Propheten Jesaja können uns dabei helfen und Mut machen, so wie den Israeliten damals. Wir dürfen Gott, unserem Schöpfer, vertrauen, ihm alles zutrauen und alles von ihm erwarten. Gott ist es, der den müde Gewordenen, den Verzweifelten, den Ängstlichen neue Kraft und Stärke gibt und die Kraft, nach vorne zu blicken, zu laufen und dabei nicht müde zu werden. Aus ist es dann mit dem Lebensgefühl, mit gebrochenen Flügeln zu hocken und nicht wegzukommen. Das Gegenteil geradezu ereignet sich: Aufschwingen ist angesagt. Menschen können neu durchstarten, den Absprung wagen, von einer unsichtbaren Kraft getragen.

Damit Adler fliegen lernen, werden sie aus dem Nest geworfen. Doch die Elternadler passen auf die Kleinen auf, sie achten auf ihre erstmals fliegenden Adlerkinder. Wenn sie ins Taumeln geraten, fangen sie sie auf. Dann tragen die Alten die Jungen. So wie die Israeliten damals, so sollten auch wir Menschen von heute es wagen, uns anstecken zu lassen von der Hoffnung auf neue Kraft, aufzufahren mit Flügeln wie Adler und dabei zu wissen: Wir bleiben behütet und bewahrt.

Seit Ostern können wir ganz gewiss sein, dass die Auferstehung Jesu dazu hilft, dass wir aufstehen können aus der Kargheit und Not mancher Tage. Dass wir gnädig geleitet werden und bewahrt in durchwachten Nächten voller Angst und Sorge. Das ist die große Verheißung, unter der wir als Christinnen und Christen leben und hoffen. Wie gut, dass wir diese Erfahrung kennen und auch immer wieder neu machen dürfen: neue Kraft zu kriegen und aufzufahren mit Flügeln wie Adler.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Euch alles Gute, viel Kraft und Gottes reichen Segen!

Es grüßt herzlich, Pastorin Sabine Bohlen

 

 

Bild von Myriam Zilles auf Pixabay