Gottesdienst am 2 Januar Rückblick

Nachricht Wiesmoor, 02. Januar 2022

Predigt und Fotos vom Gottesdienst statt Livestream

Angedacht zur Jahreslosung 2022
Pastorin Eva Ceasar, Friedenskirche Wiesmoor
Im Gottesdienst am 2. Januar 2022

Mit Texten von Eva Jung, Birgit Mattausch & von United4Rescue
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Gnade sei mit Euch und Friede 
von wer da ist und wer da war und wer da kommt. Amen. (Off 1,4) 
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Wer zu mir kommt, 
den werde ich nicht abweisen“ (Joh 6,37)

Die Jahreslosung für 2022. Ein Vers, der uns durchs Jahr begleitet. 
Ein Vers, der uns ganz persönlich ansprechen will - aber auch aufmerksam machen will, 
damit das Schreckliche nicht zur Normalität wird… 

I. 
Die Jahreslosung 2022 ist ein gekürzter Ausschnitt 
aus dem 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums. 
Im Kontext klingt er so:
Alle, die mein Vater mir anvertraut,
werden zu mir kommen.
Und wer zu mir kommt,
den werde ich nicht abweisen.
Denn dazu bin ich vom Himmel herabgekommen:
Nicht um zu tun, was ich selbst will, 
sondern was der will, der mich beauftragt hat.
Und das ist der Wille dessen, 
der mich beauftragt hat:
Ich soll keinen von denen verlieren,
die er mir anvertraut hat.
Vielmehr soll ich sie alle am letzten Tag vom Tod erwecken. 
Denn das ist der Wille meines Vaters:
Alle, die den Sohn sehen und an ihn glauben, werden das ewige Leben erhalten.
Am letzten Tag werde ich sie vom Tod erwecken.

(Übersetzung BasisBibel) 

Es geht um das ewige Leben, das Christus all denen bringt, die an ihn glauben und die ihm anvertraut sind. 
Aber diese Bibelstelle hat auch absolute Alltagsrelevanz, inmitten unserer täglichen Herausforderungen. Als Christin rechne ich damit, dass ich mich mit all meinen Sorgen an Jesus wenden kann. Dass ich immer & in allem von ihm Ernst genommen werde & Unterstützung erfahre. Wenn ich zu ihm komme, muss ich nicht mit Ablehnung rechnen - sondern werde mit offenen Armen empfangen. Denn Jesus sieht mich & meine Not. 

II. 
Eva Jung, die Gestalterin der Jahreslosung 2022, nimmt uns mit hinein in das Foto, das sie für die Jahreslosung 2022 ausgewählt hat: 

»Das Foto ist bei einem Rettungseinsatz im Mittelmeer entstanden: 
Ein Schlauchboot auf bewegter See. 
Man erkennt im Gegenlicht nur die Silhouetten von vielen, vielen Menschen und ein paar leuchtende Rettungswesten – eng gedrängt auf einem riesigen Schlauchboot.Im ersten Moment sieht man nur Himmel und Wasser – und mittendrin besagtes vollbesetztes Boot. Die Farben des Himmels sind nicht eindeutig: Entweder Sonnenaufgang – die vielen haben eine Nacht auf offenem Meer überstanden. 

Oder Sonnenuntergang – demnächst wird es hier stockdunkel. 
Eine weitere schlaflose Nacht voller Bangen, Frieren, Weinen, Überlebensangst und Schaukelei auf offenem Meer? 
Im Vordergrund sieht man die Reling eines Rettungsbootes.
Und während ich noch ganz entsetzt die Details des Fotos studiere, höre ich Jesus leise, aber sehr entschieden in mein Ohr und Herz flüstern: 
„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. 
Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“«

III. 
„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“
Ganz deutlich erinnere ich mich an diese Wort von Pastorin Sandra Bils beim Schlussgottesdienst des Ev. Kirchentags 2019 in Dortmund. Das saß! Die Gestaltung der Jahreslosung durch Eva Jung steht im engen Zusammenhang mit der Organisation United4Rescue. United4Rescue ist ein gemeinnütziger, unabhängiger Verein, der die zivile Seenotrettung im Mittelmeer unterstützt. Er wurde gegründet, nachdem beim Ev. Kirchentag 2019 die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) aufgefordert wurde, ein Rettungsschiff ins Mittelmeer zu schicken. 

#Wir schicken ein Schiff. 

Das Spendenaufkommen war enorm. Mit Hilfe von Spenden wurden bereits zwei Rettungsschiffe in den Einsatz gebracht - und mehrere Rettungseinsätze ermöglicht. United4Rescue ist aufgrund seiner Entstehungsgeschichte in Kirchengemeinden sehr bekannt. Längst verbindet das Bündnis zur zivilen Seenotrettung aber hunderte 
Organisationen in einem großen und vielfältigen Bündnis. 
In United4Rescue wird die breite gesellschaftliche Unterstützung für die Seenotrettung im Mittelmeer sichtbar - damit Humanität nicht zur Phrase wird. 

IV. 
Ich lese Gedanken zur Jahreslosung 2022 von Birgit Mattausch. 
Birgit Mattausch ist Pastorin, Autorin, „Inspirateuse“ & „Referentin für Experimentelle Homiletik“ in der Hannoverschen Landeskirche. 

»Er ist nicht viel größer als eine Streichholzschachtel.
Er ist flach, 
graugrün mit schwarzer Schrift, 
glatt mit abgerundeten Ecken:
Mein Personalausweis der Bundesrepublik Deutschland.
Ich habe ihn immer im Geldbeutel.
Er bedeutet, dass ich das Recht auf Mindestsicherung habe. 
Wählen darf. 
Dass meine Würde unantastbar ist. 
Und dass ich quasi überall in der Welt einreisen kann und wieder ausreisen. 
Dass es im Zweifelsfall ein Außenministerium gibt, dass alle Hebel in Bewegung setzt, um mich zurück zu holen.Dass ich ihn habe, ist Zufall. Wäre ich anderswo von einer anderen Mutter geboren worden, hätte ich ihn nicht. Jedenfalls nicht einfach so.Sie ist nur ein schlecht belichtetes Foto, eine Notiz in einem Kirchenbuch, das irgendwo in einem Pfarrbüro-Regal im Stuttgarter Umland liegt.Sie ist eine Erinnerung, die ich nicht habe. Ein Datum, an dem meine Mutter mir eine WhatsApp schickt.Sie ist eine Handvoll Leitungswasser und ein paar Wörter aus dem Mund eines Mannes in einem schwarzen Gewand an einem Sonntagmorgen im November 1975:

Meine Taufe.
Sie bedeutet für mich, dass ich einen Ort habe.
Ich gehöre in das Haus mit den vielen Wohnungen. Dort ist für mich ein Platz am Küchentisch. 
Immer. 
Und am allermeisten dann, wenn meine Seele die Dinge macht, die sie manchmal so macht: 
Angst haben, verloren sein, 
glauben, es solle mich nicht geben - 
jedenfalls nicht so. 
Die zu mir kommt, 
die werde ich nicht abweisen. 
Sagt Jesus. 
Und genau genommen muss ich nicht mal zu ihm kommen. 
Er ist schon da. 
Das Haus und das Wort und die unantastbare Würde - sie sind immer um mich herum.
Ich breite meine Arme aus und da sind sie.
Manchmal vergesse ich das, 
aber dann erinnerst du mich. 
Die Decks der Seenotrettungsschiffe, 
die grauen Decken, 
die goldenen- silbernen Folien, 
die Liege auf der Krankenstation an Bord: 
für manche von den Geretteten sind sie der erste sichere Ort ihres Lebens, 
der erste Safe Space nach Wüste und Lager und den überfüllten Booten, 
in denen das Salzwasser gemischt mit Benzin ihnen die Haut verätzt hat. 
Der erste Ort der unantastbaren Würde. 
Wenn die Seenotretter*innen eines der Flüchtlingsboote sichten, 
dann lassen sie ein Beiboot zu Wasser, 
das sog. RHIB. (Anmerkung: Schlauchboot mit einem festen Rumpf)
Das Seenotrettungsschiff selber ist zu groß, 
um zu den kleinen Booten zu fahren, 
der Wellengang würde sie kentern lassen. 

Im RHIB ist eine Person nur für die Kommunikation zuständig. 
Sie sitzt ganz vorne und spricht mehrere Sprachen. Das RHIB umkreist das Flüchtlingsboot. 
Und die Kommunikatorin sagt, dass alle gleich evakuiert werden. 
Dass das große Schiff nicht zur libyschen Küstenwache gehört. 
Dass sie nicht zurückgebracht werden und nicht zurückgelassen, nicht erschossen. 
Dass sie aufatmen können und in Sicherheit sind. 

Es ist die gleiche Geste. 
Es ist die gleiche innere und äußere Bewegung.
Jesus im Text (und im Herzen) und die Kommunikatorin auf dem RHIB 
(und an der Grenze Europas).
Es ist eins:
We will leave noone behind.
Ich werde dich nicht abweisen.
Es gibt diesen Ort. 
Er ist größer als der graugrüne Ausweis und die Notiz im Kirchenbuch.
Der Ort der unantastbaren Würde. 
Er ist hier. 
Er ist auch für dich.« 
V. 
Die Jahreslosung für 2022. Ein Vers, der uns durchs Jahr begleitet. 
Ein Vers, der dagegen wirken will, dass das Schreckliche zur Normalität wird… 

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Und der Friede GOTTes, 
welcher höher ist als alle Vernunft, 
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
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Die zitierten Texte stammen aus: 
United4Rescue – Gemeinsam Retten e.V., Hannover 2021. Jahreslosung 2022. 
Liturgische Bausteine zu Seenotrettung und Flüchtlingsschutz. 
http://www.united4rescue.org/

Gottesdienst im Gemeindehaus

Der Gottesdienst am 02. Januar musste kurzfristig wegen der defekten Kirchenheizung in das Gemeindehaus verlegt werden. 

Der Livestream konnte leider nicht mehr gesendet werden. deswegen hier die Predigt zum Nachlesen und ein paar Fotos.

Das in der Predigt beschriebene Foto von Eva Jung ist mit einem Copyright belegt, Ihr könnt es Euch jedoch unter folgendem Link anschauen:

https://ejw-buch.de/jahreslosungen/eva-jung.html