Protestschreiben des KVs an die KVN

Der Kirchenvorstand bezieht Stellung zu den Veränderungen im hausärztlichen Notdienst

Sitzung 10. Januar 2018

In einem Schreiben an die Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung in Hannover hat der Kirchenvorstand Stellung zur Änderung des Notdienstkreises genommen:

Kirchenvorstand der Friedenskirche Wiesmoor

z.Hd. 1 Vors. Pastor Stefan Wolf

Mullberger Str. 9a

26639 Wiesmoor

 

An die Vorsitzenden der

Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen

Mark Barjenbruch und Dr. Jörg Berling

Berliner Allee 20

30175 Hannover

Wiesmoor, den 10. Januar 2018

 

Zusammenlegung des ärztlichen Notdienstes im Landkreis Aurich

Sehr geehrte Herren Barjenbruch und Berling,

wir, der Kirchenvorstand der Friedenskirche Wiesmoor, protestieren hiermit ausdrücklich gegen die geplante Zusammenlegung der Notdienstkreise Großefehn/Wiesmoor und Aurich /Ihlow /Südbrookmerland!

Unserer Auffassung nach wird sich durch die geplante Zusammenlegung die Patientenversorgung in den nächtlichen Abendstunden, sowie am Wochenende qualitativ deutlich verschlechtern. Es wird durch die Fahrten in die umliegenden Krankenhäuser zu deutlich mehr vermeidbaren Rettungsdienstfahrten kommen. Weiter werden durch die Krankenhausaufenthalte Raumkapazitäten beansprucht, die für andere, akute Patienten in Betracht kommen müssen. Darüber hinaus wird es mehr ambulante Behandlungen geben.

In unseren kommunalen Einrichtungen haben wir sehr gut funktionierende Notdienste, welche sich im dezentralen Modell längst bewährt haben und gesellschaftlich hohe Anerkennung genießen. Eine Zentralisierung der Notdienste würde gut funktionierende Strukturen hinfällig erscheinen lassen. Wir stehen mit der geplanten Änderung vor einer schwerwiegenden Ungewissheit, ob die ärztliche Versorgung in diesem hohen Maße überhaupt noch gewährleistet werden kann.

Gerade wir als Kirchenvertreter einer Kirchengemeinde mit über 4.400 Mitgliedern sehen die geplante und beschlossene Veränderung im Bereich des hausärztlichen Notdienstes sehr skeptisch. Für die hohe Anzahl an Senioreneinrichtungen kämen künftig im Bereich des Notdienstes lange, nicht zu vertretende  Wartezeiten zu, auch ist die bislang hervorragend eingespielte  Notfallseelsorge in Zusammenarbeit mit den hiesigen Hausärzten, der Feuerwehr und der Polizei von einer Änderung des Notdienstkreises betroffen.

Zudem drängt sich uns die Frage auf, wie Senioren, Menschen mit Handicap, Patienten ohne Fahrzeug und/oder Personen mit geringem Einkommen bei Bedarf in die Notdienst-Sprechstunde nach Aurich kommen sollen, fahren doch keine öffentlichen Verkehrsmittel zu den Notdienstzeiten. Indirekt sind diese Personengruppen gezwungen, den Rettungsdienst zu alarmieren oder stundenlang mit Schmerzen oder anderen Erkrankungen auf den diensthabenden Hausarzt zu warten!

Die Gefühle, Ängste und Sorgen der einzelnen Patienten, die den hiesigen Hausärzten wohl bekannt sind, werden künftig nicht mehr aufgefangen. Auch die ethische und moralische Verpflichtung der Hausärzte vor Ort, sich  um jeden einzelnen Patienten bestmöglich zu kümmern und auch zu versorgen kann durch ortsfremde Ärzte nicht im erforderlichen Maße weitergeführt werden.  Und gerade im Notdienst ist Empathie ein unabdingbares Muss, aber ein Arzt der von Patient zu Patient hetzt und dabei große Entfernungen zu bewältigen hat, hat der dann noch Zeit für das? Sicherlich nicht!

Eine Entwicklung, die uns Bauchschmerzen bereitet!

Sie haben die Verantwortung für die Versorgung von mehr als 26.500 Einwohnerinnen und Einwohner in unserem Notdienstkreis. Dieser Organisationsverantwortung bitten wir gerecht zu werden und weisen freundlich auf Ihr Versprechen hin, die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum zu fördern, zu stärken und damit verbunden auch aufrecht zu erhalten!

Nur so lässt sich die für alle Bürgerinnen und Bürger ausreichende medizinische Versorgung garantieren.

Es erschließt sich nicht, wie Sie die ausreichende und flächendeckende medizinische Versorgung im ländlichen Raum sicherstellen wollen, wenn der ärztliche Notdienst zentralisiert durchgeführt werden soll.

Um eine baldige Antwort an o. g. Adresse bitten wir höflichst und verbleiben

 

Mit freundlichen Grüßen

 

gez. Sabine Bohlen, P`in

gez.  Helga Bruns, KV

gez. Wilfried Hedemann. KV

gez. Helmuth Meyer, KV

gez. Marion Knoche, KV

gez. Karsten Krüger, KV

gez. Käthe Kruse, KV

gez. Brunhilde Ringhoff, stellvtr. Vors. KV

gez. Sonja Theen, KV

gez. Stefan Wolf, P., 1. Vors. KV